brexitUnd schon ist es passiert, die Briten haben sich gegen die EU entschieden und wir stehen plötzlich ohne Fish & Chips da….
Aber Spaß beiseite! Die Nacht von 23.6.2016 auf 24.6.2016 war historisch, wie es überall zu lesen ist. Denn nach 43 Jahren Mitgliedschaft der Staatengemeinschaft, ist der Brexit fix!  Aber ist es wirklich so ungewöhnlich, dass sich eine – wenn auch kleine – Mehrheit, für den Austritt entschieden hat? Ich denke nicht! Großbritanien  war eigentlich noch nie wirklich ein großer Fan des europäischen Gedankens. Bereits die Beitrittsverhandlungen zur EWG (europäische Wirtschaftsgemeinschaft) waren alles andere als einfach. Es dauerte geschlagene 12 Jahre vom ersten Votum bis zum endgültigen Eintritt. Grund waren damals wie heute, die Extrawünsche, der Briten. Wirtschaftliche Vorteile „Ja bitte!!!„, politisches und wirtschaftliches Engagement „Nein, danke!“.  Fiskalpakt, Schengen-Abkommen und die Gemeinschaftswährung € lehnte man kategorisch ab.  Deswegen wunderte es mich am Freitag eigentlich wenig, dass es nun doch zu einem sog. Brexit gekommen ist. Die Ehe stand schließlich von Anfang an unter einem schlechten Stern…

Der Brexit und die Wirtschaft


brexit - pound
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entscheidung des britischen Volkes, sind noch nicht wirklich absehbar. Allerdings türmen sich schon jetzt erste dunkle Wolken am Horizont auf. Ratingagenturen wie Standard & Poor`s und Moody`s stehen schon in den Startlöchern, um die Kreditwürdigkeit Großbritanniens zu überdenken. S&P hatte bereits im Vorfeld des Referendums durchblicken lassen, im Falle des Brexit der Insel die Bestnote zu entziehen. Durch die Unsicherheiten die der Status quo mit sich bringt, stehen dem Königreich schwierigen Zeiten bevor. So wurden Prognosen für dieses und nächstes Jahr bereits revidiert.

Aber nicht nur für England stehen stürmische Zeiten bevor, auch Deutschland ist davon unmittelbar betroffen. Der deutschen Wirtschaft geht es so gut wie lange nicht mehr. Einige Experten sind sich jedoch sicher, dass der Brexit Deutschland besonders hart treffen könnte. Denn nach den USA und Frankreich, ist Großbritannien mit einem Volumen von 120 Mrd. € einer der wichtigsten Absatzmärkte Deutschlands.  Gerade die Automobilindustrie sei vom Brexit besonders betroffen. So betreibt beispielsweise BMW (BMW 79,13 +0,02 +0,03%), vier Werke auf der Insel. Von den ca. 200.000 in England produzierten Minis, wurde die Hälfte aufs Festland exportiert. Man sieht also, die Auswirkungen können durchaus weitreichende Folgen haben.

Der schwarze Freitag – Nummer 2

brexit - GBP.USDBereits in den frühen Morgenstunden des 24.6.2016, als bekannt wurde dass die Befürworter eines Brexit  vorne liegen, reagierten die Märkte äußerst panisch. Die ostasiatischen Märkte Hang Seng (HSI 27.518,60 +116,93 +0,43%) und Nikkei (NI225 19.353,77 -80,87 -0,42%) reagierten deutlich auf die ersten Ergebnisse des Referendums. Bereits vor Eröffnung der europäischen Märkte, sah man im vorbörslichen Handel nichts als ROT. Neben dem britischen Pfund, kamen besonders der Bankensektor, Versorger und Automobilwerte unter die Räder. Für sie könnte sich der Brexit noch als besonders schwere Aufgabe herausstellen.

Ruhe dank Routine

brexit routine

Normalerweise beginne ich meine Handelswoche erst am Montagmorgen aber unter den Umständen, kann man schon mal eine Ausnahme machen. Wie man schön sieht, gingen die Märkt bei Eröffnung am Freitag sofort in den Panikmodus. Die Volatilität des S&P 500, gemessen am  VIX (VIX 12,09 +0,74 +6,52%) sprang gegenüber Donnerstag um ca. 50% an, dessen Terminstrukturkurve wechselte umgehend in „Backwardation„. Die Indizes fielen so stark, dass sie sogar auf Wochenbasis unter den gleitenden Durchschnitten schlossen. Das Volumen in den Futures auf den S&P 500 und Optionen darauf,  wurde mal eben verdreifacht.

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Was ich persönlich allerdings nicht verstehen kann, wieso die Märkte plötzlich so überrascht tun. Denn die Flucht in Gold und quasi „renditelose“ Staatsanleihen, die bereits Wochen vorher einsetzte sollte doch Denkanstoß genug sein oder etwa nicht?! Deswegen nehme ich diesen kleinen Überblick zu Kenntnis und habe entschieden, dass ich jetzt erstmal an der Seitenlinie stehen bleibe, bestehende Optionspositionen im Auge behalte und ansonsten hier erstmal nicht viel machen werde. Einfach mal die Füße still halten, kann in solchen Marktphasen mehr bringen als sich Hals über Kopf mit Short-Positionen einzudecken. Denn wie am Freitag auch zu sehen war, kamen viele Märkte von ihren Tiefstständen nochmal zurück. So eröffnete der DAX mit einem Abschlag von beinahe -10%, doch am Ende des Tages waren es „nur“ ca. -6,8%.

In meinen Aktienpositionen verfahre ich hingegen etwas anders. Das liegt allerdings auch am Anlagehorizont, der sehr langfristig ausgelegt ist. Denn hier kommt es mir eher auf solide Werte, mit gesunder fundamentaler Basis an. Das z.B. ein Unternehmen wie Coca-Cola (KO 45,54 -0,06 -0,13%), jetzt wesentlich weniger Dosen ihrer dunklen Brause abfüllen und verkaufen werden, halte ich persönlich für unwahrscheinlich. Deswegen werde ich die nächste Woche dazu nutzen, um mein Portfolio weiter auszubauen und von den günstigen Kursen zu profitieren.

Getreu nach dem Motto des Orakels von Omaha: „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind…